Gabriele Quinque
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Das Glanzgewand der gnostischen Pistis Sophia  

 

O Licht der Lichter!

Kümmere dich um mich und sei mein Erlöser.

Errette mich, denn du allein bist meine Freiheit

und du sollst mich zu dir geleiten.

Um des Mysteriums deines Namens willen

habe ich große Schmerzen erlitten,

nun führe mich zu deinem Frieden

und erweise mir deine Gnade.

Du hast mich errettet

vor der Kraft mit dem Löwenkopf,

die mir zu Fallstricken gelegt war.

Aber du hast mich nicht in der Macht

mit dem Löwenkopf gelassen,

hast alle Schlangen vertrieben

und mich in das Land der Freiheit geführt,

in dem es keine Bedrängnis gibt.

In deine Hände will ich mein gereinigtes Licht legen,

da du mich gerettet hast nach deiner Gnosis.

O Licht der Lichter,

an das ich am Anfang geglaubt habe

und am Ende glaube,

in dir allein erweist sich mir die Freiheit.

 

 (Reuegesang der Pistis Sophia)

 

Nähern wir uns dem umfassenden Weiblichkeitsbild der Sophia, so erinnern wir uns: Das Wort Sophia bedeutet Weisheit (grch. sophos, geschickt, klug, weise). „Der würdigste Beinamen Gottes lautet Sophia“ und „nichts ist erhabener als das Ganze zu kennen“ sind Huldigungen an Sophia aus der gnostischen Überlieferung. Sophia, so heißt es in den Legenden der Gnostik, hatte ihre Wohnstatt in himmlischer Höhe neben dem Thron des All-Einen und begehrte das Licht der Lichter zu erschauen. Der Allmächtige verwehrte ihr diesen Wunsch, um sie vor dem Verglühen im Angesicht seiner Lichtkraft zu schützen. Da erblickte Sophia ein Licht auf Erden, und sie versuchte es zu erhaschen. Dabei stürzte sie wie ein funkelnder Tropfen himmlischen Wassers auf die dunkle Erde und geriet in großes Leid, weil sie ihre wahre Heimat verlassen hatte. Als „Moth“ (hebr. moth, Tod) wandelte sie als Gleichnis der gestürzten Menschenseele über das Erdenrund und verstockte gegen die himmlischen Kräfte. Wegen dieser Abtrünnigkeit von den oberen Schöpfungsprinzipien bezeichnete man sie als Hure, zumal sie aus sich selbst heraus, also ohne göttlichen Zeugungsauftrag, eine Kreatur namens Jaldabaoth (Sohn des Chaos) hervorbrachte. Diese Misskreatur besaß den Köper einer Schlange und das Haupt eines Löwen und ereiferte sich als „Kraft mit dem Löwenkopf“, andere Widersacher um sich zu scharen, um ein mächtiges Gegenreich zum Himmel zu erschaffen. Das verfolgte Ziel war die Vernichtung der Lichtwelt des Allgeistes. Als Sophia erkannte, was sie angerichtet hatte, wurde sie von tiefer Reue erfasst, wandelte sich in die geflügelte Sophia Achamoth, blies heimlich Pneuma (grch. pneuma, Hauch, Seele, Lebenskraft) in die Geschöpfe des Widersachergeistes, und sammelte in ihrem Herzen alle Splitter der Weisheit von der Erde, um sie zu ihrem Ursprung zurückzubringen.

Das Wesentliche im Charakter der geläuterten Achamoth, an dem die menschliche Seele Maß nehmen soll, ist ihr beispielhaftes Beharrungsvermögen, das sich darin zeigt, den Weg der Anbetung und Verehrung auch bei schlimmsten Anfeindungen nicht mehr zu verlassen. So wurde sie von den Eingeweihten zu der „Stillen im Lande“ ernannt, der sie nachstreben. Unzählige Suchende auf pansophischen Pfaden, wie die Tempelritter oder Gralsmystiker, die in der Mitte des Fischezeitalters von sich Reden machten, sowie die Rosenkreuzer des frühen 17. Jahrhunderts, bezeichneten sich selbst deshalb als „die Stillen im Lande“. Wirklich still waren sie nicht ganz freiwillig, mussten doch die einen ihr Geheimwissen vor dem Katholizismus verbergen, der in ihnen eine ungelegen kommende Zweitmacht auf dem Sektor magischer Riten befürchtete; die anderen hatten sich vor einer protestantischen Intoleranz zu verstecken. Die lutheranische Strömung wuchs im Laufe der Zeit immer mehr in den eigentlichen Wesenskern ihres Gründers hinein, der sich darin zeigt, aus extrahierten Substanzen der christlichen Religion eine moralisierende Diesseitsrezeptur zu mischen. Auf solchen Wegen verliert man womöglich den Lichtblitz der Ewigkeit aus den Augen. Deshalb entstand bereits im calvinistischen Keim der Reformation eine Gegenreformation im Untergrund, die eine Rückbesinnung auf überlieferte Mysterien der Antike, die im Urchristentum noch deutlich auszumachen waren, herbeirief. So kam es im 16. und 17. Jahrhundert zu einer Flut von Schriften, die das gnostische Geheimnis der Sophia in die Herzen der Menschen einpflanzen wollten. Berufene wie Johann Valentin Andreae, Jakob Böhme und Francis Bacon wollten wieder einen heilbringenden Erkenntnisweg auf den Plan bringen. Also gewährten sie der gnostischen Weisheit Einlass in ihre Erkenntnistempel und erhoben die Weisheit als Segen über das kultische Handeln. Allein Böhmes Überbetonung des Sophien-Mythos nahm ein solches Ausmaß an, dass einige Gelehrte ihm heutzutage unterstellen, es hätte eine heimliche Frau namens Sophia in seinem Leben gegeben. Dies ist unwahrscheinlich, war doch der Philosophus Teutonicus vor allem bestrebt, das Geheimwissen um den Jenseitsweg der Seele mit Hilfe der gnostischen Sophia vor dem Untergang zu bewahren. Eingewoben in den sogenannten Tübinger Kreis gehörte Böhme zu einer Abordnung von Eingeweihten, die auf der Basis antiker und gnostischer Wiedergeburtslehren rituell und geistig gearbeitet haben. So formulierte Böhme zu Recht: „Mit Hilfe der Weisheit ist mir die Himmelspforte in meinem Geiste aufgegangen.“

Die koptischen Schriften von Nag Hammadi und Qumran als Zeugnis der Gnostik

Einen tiefen Einblick in das gnostische Heiligtum ermöglichen bedeutsame Funde der Gnostik, die erst im zwanzigsten Jahrhundert in Ägypten getätigt wurden. Vor diesen Funden legte die breite Masse voreilig den unschönen Mantel der Häretik um die Gnostik, wenn man sie nicht sogar eines pervertierten Kultverhaltens bezichtigte. Hinsichtlich einiger Stilblüten von Praktiken, die als urchristlich oder gnostisch bezeichnet werden können, geschah dies auch nicht ganz zu Unrecht. So übten z.B. die Ophiten oder die Nikolaïten einen sehr abergläubischen Kult aus, der hauptsächlich im Körperlichen stecken blieb – mit heutigen Worten könnte man die Vorgehensweise dieser Sekten als ein sinnliches Konglomerat von Wellness und tantrischen Übungen bezeichnen. Verständlicherweise widersetzte sich die Petruskirche im Falle unguter Gerüchte nicht und ließ eine landläufige Verurteilung der Gnostik zu, um die Menschheit nicht von ihrem eigenen religiösen Auftrag abzulenken. Dennoch wurde die verborgene Schönheit, gleichsam das Glanzgewand der Weisheit, das in der Gnostik trotz aller Verirrungen sehr wohl zu finden ist, in den Geheimorden von Tempelrittern und ihren zahlreichen Abkömmlingen auf das Sorgfältigste gepflegt. Eines Tages jedoch sollte sich diese Geheimniskrämerei ändern. Denn 1945 stießen in Nag Hammadi zwei ägyptische Fellachen auf der Suche nach Dung auf einen Tonkrug, der gut einen Meter hoch war und prallgefüllt mit koptischen Papyri-Codices, die als Einzelblätter zusammengefügt und in Leder geschützt waren. Leider zeigte der Mann diesen Fund seiner Mutter, der nichts besseres einfiel, als einen Teil davon zu verbrennen. Immerhin blieben noch dreizehn umfangreiche Codices übrig, die zunächst auf abenteuerliche Weise durch mehrere Hände geisterten, bis sie schließlich in den Besitz des Koptischen Museums in Kairo übergingen. Von dort aus wurden die 52 Abhandlungen aus den 13 Codices in alle Sprachen übersetzt.

Als dies geschehen war, kam wieder Leuchten in die Augen der Mysterienpriester, und sie strichen sich hinter verschlossenen Tempeltüren erwartungsvoll über ihre weißen Bärte. Die mystischen Brüder waren nicht nur froh über den Fund der apokryphen Worte, sondern auch darüber, dass das Mysterienspiel der Sinnfindung gleich zweimal in kurzen Abständen hintereinander aufgeführt wurde. Denn zwei Jahre später, im Jahre 1947, vermisste ein arabischer Hirte am Westufer des Toten Meeres eine Ziege und suchte nach ihr in den Höhlen nahe des Klosters von Qumran. Auch er fand unzählige Schriften, die ein helles Licht auf die Gnostik und das Urchristentum werfen. Von diesem Augenblick an, das ahnten die Eingeweihten, würden sich die Geheimnisse des Heiligen deutlicher offenbaren als bisher. Tatsächlich haben diese Apokryphen subtil verändernd eingegriffen. Das Ergebnis können wir heute wahrnehmen: Die römisch-katholische Kirche besinnt sich wieder mehr auf ihre urchristliche Wurzel und demonstriert mutiger denn je den einzigartigen Besitz ihres magischen Kultmantels. Wer Augen hat zu sehen, erkennt neben dem sanften Schein petrinischer Altarkerzen das Wiederentflammen großer johanneischer Fackeln und sieht, wie der lichtvolle Triumph des Ostermorgens das hölzerne Karfreitagskreuz überstrahlt.

Form und Inhalt der Pistis Sophia

Die Pistis Sophia ist eine allegorische Abhandlung über das Leben der Seele auf ihrem Weg jenseits der Todespforten. Sie wird dem Gnostiker Valentinus zugeschrieben, der im 2. Jahrhundert nach Jesus in Alexandrien lebte. Aber erst 1769 fand der Schotte James Bruce in der Nähe von Luxor ein koptisches Manuskript, das vertraute Gespräche des Auferstandenen mit seinen Jüngern enthielt, aber die Spur dieser Schrift ging wieder verloren. Der Allgemeinheit wurde die Pistis Sophia erst 1785 erschlossen, als das britische Museum diese Schrift von einem Londoner Arzt namens Askew erbte, der sie in einer Londoner Buchhandlung gefunden hatte. Unter „Codex Askewianus“ liegt die Pistis Sophia im Britischen Museum in London. Die Pistis Sophia ist wie die meisten gnostischen Werke in koptischer Sprache verfasst, die in hellenistischer Zeit in Ägypten gesprochen wurde. Wir haben es also mit einem ägyptisch-griechischen Konglomerat zu tun.

Pistis Sophia übersetzen einige mit Glaube der Weisheit, jedoch trifft Erkenntnisse der Weisheit besser zu. Wer diese Schrift liest, fühlt sich unweigerlich an die Sprache des Apokalyptikers Johannes erinnert, da deckungsgleiche Gedanken und Figuren in beiden Texten zu finden sind. Ebenso wie die Apokalypse wurde die Pistis Sophia wie eine Schrift verfasst, die man rituell verliest und als einweihendes Sakrament versteht. Dies wird an zahlreichen mehrfach wiederholten Formulierungen offenkundig. Laut ausgesprochene Wiederholungen erheben sich zu magischen Formeln, was man von kirchlichen Messen, Ritualtexten oder von der Tranceinduktion kennt. Wiederholungen umgehen den vordergründigen Intellekt, der seine Aufmerksamkeit ausschließlich auf Neues richtet und demzufolge nur neugierig ist. Die rituellen Formeln werden allein für die Seele gesprochen, damit sie sich Worte und Bilder einprägt. Denken wir dabei an die siebenfache Wiederholung: "Wer Ohren hat, der höre" in den Sendschreiben an die sieben Gemeinden in der Apokalypse. So ist häufig der folgende Satz in der Pistis Sophia wiederholt, der auch in dem apokryphen Evangelium des Nikodemus erscheint.

Wie ist der Herr des Alls durch unsere Mitte geschritten, ohne dass wir es wussten?

Solche widerhallenden Worte rufen dem Menschen in das Gedächtnis, wie er auf seinem Erkenntnisweg häufig abwesend oder nicht erkennend war. Wie tief er geschlafen hat, als die wirklich wichtigen Gelegenheiten des Daseins an ihm vorüberzogen. Wacht er jedoch eines Tages auf, merkt er in der Rückschau, dass sich etwas Wesentliches schon vor einer gewissen Zeit verändert hatte. Zum Beispiel wird der Mensch durch die vier Säulen der Hermetischen Philosophie (Astrosophie, Alchemie, Tarot, Kabbala) umgewandelt. Man sitzt vielleicht in einem Seminar und merkt gar nicht, "wie der Herr des Alls durch unsere Mitte schreitet". Aber Monate oder Jahre später weiß man, eine neue Dimension wurde genau in diesem Augenblick eröffnet, obwohl sie damals noch nicht in den Radius der Wahrnehmung vordrang. Das gleiche gilt in höherer Form für jedes Ritual in einem Tempel westlicher Tradition und ganz besonders für Initiationen, also ritualisierte Einweihungsformen. Auch hier offenbart sich erst Jahre später, zu welchen Zwecken und Zielen man hingeführt wurde, ohne dies sofort richtig eingeschätzt zu haben.

Kommen wir nun zu dem Inhalt der Pistis Sophia. Das Buch beginnt mit einer Schilderung, wie der auferstandene und gen Himmel gefahrene Jesus zu seinen Jüngern zurückkehrt. Bemerkenswert ist, dass ihn hier nicht nur die zwölf bekannten Apostel umringen, sondern vor allem die Gefährtinnen an den Dialogen teilhaben. Maria seine Mutter, Maria Magdalena, Martha, die Samariterin vom Brunnen und Salome ergreifen häufig das Wort. Es heißt, zwölf Jahre lang verweilt er bei seinen Jüngern, eröffnet ihnen die Eschatologie, nimmt also die Schleier von den letzten Geheimnissen auf dem Weg der menschlichen Seele. Darum ist auch die Pistis Sophia eine Enthüllung, also eine Apokalypse (grch. apokalyptain, enthüllen). Wichtig dabei ist, der Auferstandene kehrt nach seiner Himmelfahrt zurück. Das nennt man die Parusie des Menschensohnes (grch. parusia, Gegenwart, Anwesenheit). Der Begriff wird verwendet, um die Wiedererscheinung Jesu zu bezeichnen. Die Jesus-Parusie der Pistis Sophia gibt nicht nur Kunde der Gegenwart des Menschensohnes, sondern offenbart auch das innigste Geheimnis von der Schatzkammer des Lichtes, der heimatlichen Himmelsregion des Christusbewusstseins. Erst jetzt bei seiner Wiederkunft ist er zu seiner höchsten Kraft gekommen, nachdem er ganz Mensch gewesen, durch die Höllentore in die Unterwelt vorgedrungen, gen Himmel gefahren, wiedergekehrt und dann erneut aufgefahren ist zu dem vierundzwanzigsten Aeon, wo er von Anbeginn der Schöpfung seinen Wohnsitz hatte.

Die vierundzwanzig Aeonen sind eine gnostische Vorstellung der Schöpfungshierarchie. Man sieht in ihnen die vierundzwanzig Regionen, in denen vierundzwanzig Schicksalsmeister wohnen. Vereint in der Welt des unversehrten göttlichen Glanzes (Dei Gloria intacta), finden sie ihre wahre Bestimmung. Dort umringen sie anbetend den Thron des Allmächtigen und bilden das Pleroma (grch. pleroma, die Fülle), das Lichtmeer des göttlichen Feuerhimmels. Durch die Abspaltung der irdischen Spiegelwelt allerdings bildet sich das Kenoma (grch. kenoma, die Leere), die gottferne Erde, und zwölf dieser Aeonen wenden sich dem Kenoma als Archonten zu und verkehren die Tugenden des Allmächtigen in ihr Gegenteil. Nur der Menschensohn kann sie zur Umkehr bewegen und alle Archonten wieder in Aeonen verwandeln. Von diesem Großen Werk handelt die Pistis Sophia.

Die Verklärung Jesu im überirdischen Glanzgewand

Zunächst erfahren wir, wie die Jünger auf dem Ölberg sitzen und sehr glücklich sind über die Wiederkunft ihres Meisters. Jesus befindet sich ein wenig von ihnen entfernt, da kommt von der Sonne her ein so gewaltiges Licht auf ihn herab, dass die Jünger geblendet sind und ihn nicht mehr sehen. Das Licht ist verschiedenartig leuchtend, schillernd und hüllt die Gestalt Jesu ein wie ein irisierendes Glanzgewand. Jesus wird in jenem überirdischen Gleißen emporgehoben, und sogleich gibt es im Himmel eine solche Erschütterung, dass sogar noch die Erde davon erzittert und erbebt. Alle Welten, alle Sphären geraten heftig in Aufruhr. Die Jünger haben deshalb große Furcht und weinen. Aber zu der neunten Stunde des nächsten Tages fährt Jesus wieder zu ihnen hernieder, eingehüllt in mächtige Wogen von Licht, unvorstellbar glänzend, wie ein Meer von Kristall, wie das Pleroma selbst. Jesus nähert sich den Jüngern und spricht die Hoffnungsformel des Neuen Testamentes aus:

Seid getrost. Ich bin es. Fürchtet euch nicht!

Denn die Furcht vor dem Übersinnlichen soll im Alten Testament und im Judentum zurückgelassen werden. Das Christentum will Verbündung, will Bruderschaft mit Jesus. Vor allem in dieser Nähe liegt die Frohe Botschaft der Evangelien. Also fürchten sich die Jünger auch nicht mehr. Jedoch bitten sie den überaus Verklärten, das Licht, das ihn so machtvoll strahlend umgibt, in sich hineinzunehmen. Da zieht der Menschensohn sein Glanzgewand in sich selbst zurück, und die Jünger beten zu seinem inneren Licht.

Nach der Lobpreisung des inneren Lichtes offenbart er ihnen das Geheimnis aus der Schatzkammer des Lichtes. Analog der vierundzwanzig Schicksalsmeister gibt es in der Pistis Sophia auch vierundzwanzig Stufen der Illumination. Jesus kommt von ganz oben aus dem vierundzwanzigsten Mysterium und ist damit derselbe Lichtstrahl wie Melchisedek, der Hohepriester Gottes, der als Jesusgeist die Erlösung der menschlichen Seele bewirkt. Weit oben, im vierundzwanzigsten Aeon, so offenbart Jesus, lag die ganze Zeit sein Glanzgewand, das er dort zurückgelassen hatte, als er dem Auftrag nachkam, über die Erde zu wandeln. Da die Mission Jesu jetzt in der Erfüllung angekommen ist, darf er das höchste Glanzgewand wieder anlegen und die Seinen damit erlösen.

In der Pistis Sophia ist beschrieben, dass der Menschensohn seinen Jüngern erzählt, wie er als Lichtgestalt nacheinander durch alle Sphären geschritten ist und mit unerschütterlicher Macht die Missstände der Schöpfung beseitigt hat. Überall wo der Widersacher versuchte, das Regiment zu übernehmen, setzte Jesus die Allmacht Gottes wieder ein und zwang den Widersacher zur Umkehr. So sanft er zu den Seinen nun sagt, fürchtet euch nicht, so gewaltig ließ er alles Widergöttliche vor Furcht in den Grundfesten erzittern. Wir entnehmen der Erzählung des Menschensohnes: Wo immer er in seinem Glanzgewand aus dem vierundzwanzigsten Aeon auch erscheint, gerät alles Finstere, alles Erdbezogene in Aufruhr. Und mit leichter Hand erlöst er die Seelen, die in verschiedenen Regionen gebunden sind. So befreit er die Seele des Propheten Elija wieder aus Johannes dem Täufer, die in einer Metempsychose zu Schwesterseelen geworden waren. Die magische Macht des Propheten Elija war dereinst in Johannes den Täufer eingezogen, verband sich mit dessen Seele, um ihr die Macht der Prophezeiung zu verleihen. Es gibt anspruchsvolle Missionen, die bewältigt eine einzelne Seele nicht, sie bekommt noch eine bedeutsame Seele zur Unterstützung mitgegeben, um ihren himmlischen Auftrag zu erfüllen - so berichtet es uns die Pistis Sophia.

Jesus vollbringt große Werke in seinem Glanzgewand, die nur ein Wesen, das die Allmacht Gottes besitzt, ausführen kann. Er wendet die Gesinnung der gestürzten Archonten wieder zu den Aeonen. Mit dieser gewaltigen Umkehrung (grch. metanoia), gleichsam mit dieser gigantischen Heiligung kosmischer Ebenen, stellt er die innere Ordnung der ganzen Schöpfung wieder her. Das Glanzgewand gibt ihm diese Macht, es ist gleichbedeutend mit höchster erfahrbarer Weisheit.

Lauschen Sie, verehrter Leser, einmal in den Text der Pistis Sophia hinein, lesen Sie die Worte Jesu laut - so, wie er es wünscht -, damit sie einen Teil ihrer Kraft offenbaren. Auch wenn nicht alles gleich verständlich wird, so werden Sie die Heiligkeit und die Größe des Mysteriums darin erspüren können.

Als Jesus diese Worte zu seinen Jüngern gesprochen hatte, fuhr er wiederum in seiner Rede fort: "Seht, nun habe ich mein Gewand angetan, und es ist mir alle Macht gegeben durch das oberste Mysterium. Noch eine kleine Weile, und ich werde zu euch von dem Mysterium des Alls und der Fülle des Alls sprechen. Von dieser Stunde an werde ich euch nichts verbergen, sondern ich werde euch in aller Fülle vollenden und in aller Vollendung und in allen Mysterien. Sie sind die Vollendung aller Vollendungen und das Pleroma aller Pleromata und die Gnosis aller Gnosis, welche sich in meinem Gewand befinden. Alle Mysterien, von dem Äußersten zu dem Innersten, werde ich euch mitteilen. Doch hören sollt ihr, damit ich euch alle Dinge sagen werde, die mir geschehen sind.

Als die Sonne im Osten aufgegangen war, kam eine große Lichtkraft herab, in der sich mein Gewand befand, das ich im vierundzwanzigsten Mysterium zurückgelassen hatte, wie ich euch soeben gesagt habe. Und ich fand ein Mysterium in mein Gewand geschrieben nach der Art jener, die in der Höhe wohnen, und zwar in fünf Worten: Zama zama ozza rachama ozai. O Mysterium, geoffenbart in der Welt, Ursache des Alls, du bist der vollkommene Ausgang und Eingang, aus dem alle Emanationen und was sich in ihnen befindet, hervorgingen, und durch dessen Willen alle Mysterien und all ihre Gebiete entstanden sind, komme zu uns. Denn wir sind deine Mitgefährten. Wir sind ganz eins mit dir. Wir sind ein und dasselbe. Du bist das oberste Mysterium, das von Anfang an im Unaussprechlichen bestand, ehe Er sich offenbarte, in dessen Namen wir alle zusammen sind. Jetzt erwarten wir dich alle an der äußersten Grenze, also bei dem letzten Mysterium von innen, das selbst ein Teil von uns ist. Wir haben dir jetzt dein Gewand gesandt, das dir von Anfang an gehört, welches du an der letzten Grenze, dem letzten Mysterium von innen, zurückgelassen hast, bis dass die Zeit auf Befehl des ersten Mysteriums vollendet sei. Siehe, die Zeit ist nun erfüllt. Ziehe das Gewand an und komme zu uns. Denn wir alle erwarten dich, um dich auf Befehl des ersten Mysteriums mit seiner Pracht zu bekleiden. Denn das oberste Mysterium hat uns das Gewand, bestehend aus zwei Gewändern, gegeben, um dich damit zu bekleiden, abgesehen von dem, das wir dir bereits gesandt haben. Denn du bist ihrer würdig, da du höher stehst als wir und bereits vor uns warst. Darum hat dir das oberste Mysterium durch uns das Mysterium seines vollen Glanzes gesandt, bestehend aus zwei Gewändern. Im ersten befindet sich die volle Herrlichkeit aller Namen aller Mysterien und aller Emanationen der Ordnungen und Räume des Unaussprechlichen. Im zweiten Gewand befindet sich die volle Herrlichkeit des Namens aller Mysterien und aller Emanationen der Ordnungen und der beiden Räume des ersten Mysteriums.

In dem Gewand, das wir dir jetzt gesandt haben, befindet sich der Glanz des Namens des Mysteriums des Verkünders, welcher das oberste Gebot ist, sowie das Mysterium der fünf Kennzeichen und das Mysterium des großen Gesandten des Unaussprechlichen, des Großen Lichtes, und das Mysterium der fünf Lenker, der fünf Helfer. (...) Komme nun eilends zu uns, damit wir dich damit bekleiden, so dass du den ganzen Auftrag der Vollendung des ersten Mysteriums vollendest, wie es von dem Unaussprechlichen festgesetzt ist. Komme nun eilends zu uns, damit wir dich dem Befehl des ersten Mysteriums gehorchend damit bekleiden. Denn nur kurze Zeit, äußerst kurze Zeit, und du wirst zu uns kommen und die Welt verlassen. Komme nun schnell, damit du deinen Glanz, den Glanz des Ersten Mysteriums, in Vollkommenheit empfangen mögest.

Als ich das Mysterium dieser Worte in dem mir übersandten Gewand sah, legte ich es sogleich an. Das Licht strahlte außergewöhnlich von mir. Ich fuhr in die Höhe und kam zu dem Tor des Firmaments, strahlend von dem unermesslichen Licht, das mich umgab, und die Tore des Firmamentes kamen in Bewegung und öffneten sich alle gleichzeitig. Alle Archonten und Gewalten und darin befindlichen Engel gerieten in Verwirrung wegen des großen Lichtes an mir. Sie erblickten das strahlende Lichtkleid, das mich umgab, und die Tore des Firmaments kamen in Bewegung und öffneten sich alle gleichzeitig. Alle Archonten und Gewalten und darin befindlichen Engel gerieten in Verwirrung wegen des großen Lichtes an mir. Sie erblickten das Strahlende Lichtkleid, das ich trug, und sahen das Mysterium, das ihre Namen enthielt, und fürchteten sich sehr. Alle Bande, mit denen sie gebunden waren, lösten sich. Und ein jeder verließ seine Ordnung. Sie fielen vor mir nieder, beteten mich an und sprachen: Wie ist der Herr des Alls durch unsere Mitte geschritten, ohne dass wir es wussten?

(Pistis Sophia, Carl Schmidt, bearbeitet von Walter Till, Berlin 1962)

Nachdem die Archonten Jesus als das Licht der Lichter gefürchtet haben, nimmt er ihnen ein Drittel ihrer Kraft, damit sie ihren Einfluss auf die Schöpfung verlieren. Auch hier haben wir die Sprache, das Motiv, das die Apokalypse des Johannes beherrscht, wo häufig ein Drittel der Anteile vernichtet wird.

Als Jesus auf seiner Wanderung durch die Sphären im dreizehnten Aeon ankommt, findet er dort Sophia, ganz allein, verlassen von den Aeonen. Sophia lebte nach langen Phasen der Qual in der Reue; sie sang dreizehn Reuegesänge und vermochte sich aus eigener Kraft bis zu der dreizehnten Sphäre emporzuschwingen. Dort erfährt sie nun den Hass der Archonten, die sie mit Verachtung strafen, in der Hoffnung, sie käme wieder nach unten in die zwölf Bereiche der Archonten, aber Sophia bleibt im dreizehnten Aeon. Jedoch auch die erhabenen Aeonen meiden sie und wollen sie nicht weiter nach oben steigen lassen, weil sie sich einstmals ihren Zeugungsabsichten verweigert hatte. Darum befindet sich Sophia im dreizehnten Aeon in einer Stagnation: Nach oben darf sie noch nicht und nach unten will sie nicht mehr.

Wir erkennen in diesem Bild der festsitzenden Sophia Ähnlichkeit zu einer menschlichen Seele, die der Stoffgebundenheit schon entkommen ist, aber zum Heil noch nicht vordringen kann. Die Weisheit hat es überall in der Welt schwer, zieht nichts als Hass von den Machthabern aller Welten auf sich. Aber Sophia sieht das Licht ganz oben leuchten, wendet sich nicht wieder ab und verehrt es voller Inbrunst und Leidenschaft. Dies verleiht ihr die Kraft, allein im dreizehnten Aeon auszuharren. Die gnostische Kultfigur Sophia ist stark, denn sie darf ambivalent sein; sie besitzt nicht nur mystisches Himmelslicht, sondern auch magische Willensmacht, die sie auf ihrem harten Weg über das Erdenrund gelernt hat. Daraus folgt, will der Mensch Weisheit erlangen, muss er seine ihm angeborene Bequemlichkeit aufgeben, wie Sophia seine Füße auf den steinigen Wegen der Sinnsuche blutig laufen und von dem Ziel, das Pleroma zu erreichen, nicht mehr ablassen. Von der Pistis Sophia lernen wir das wichtigste Geheimnis geistigen Lebens: Weisheitswein wird aus den Früchten begangener Fehler gekeltert und reift in der Gärung der Konsequenzen.

Die dreizehn Reuegesänge der Sophia

Als Jesus die verlassene Sophia im dreizehnten Aeon vorfindet, erklärt sie ihm, dass sie durch dreizehn Reuegesänge emporgekommen sei. Jesus hört ihr erst in Ruhe zu, bevor er ihr hilft, weiter aufzusteigen. Seine Anwesenheit nach den Reuegesängen bedeutet: Die ersten Etappen des Weges muss der Mensch aus eigener Kraft zurücklegen, ab einer bestimmten Stufe jedoch kommt der nach Erlösung Strebende nicht mehr voran. Dann wird nach Ablauf seiner Läuterungsphase der Erlöser erscheinen und Gnade erweisen. Das Motiv der dreizehn Stufen kennen alle Religionen, denken wir z. B. an die dreizehn Stufen im Stupa Buddhas, die gegangen werden müssen, bevor Befreiung möglich wird. Der Leitgedanke ausreichender Vorbereitung zog auch in die Geheimkulte ein, wo man mit Goethe sagt: Nur wer strebend sich bemüht, den können wir erlösen!

Freilich sei hier betont, dass die Reuegesänge der Pistis Sophia ganz und gar nicht als Selbstanklagen gemeint sind, es müssen vielmehr Heilsgesänge des Erwachens sein. Wer sich einfach anklagt, ohne gleichzeitig im höheren Sinne zu erwachen, der wird antriebsschwach oder nervenkrank, aber ganz sicher nicht erlöst. Darin liegt zutiefst die Problematik von verfälschten Heilslehren, die um ihre eigentliche Geistigkeit beraubt und verkehrt in den Alltag eingebracht werden. Bigotte Gläubige klagen sich sehr schnell an, üben Buße, ohne die Mysterien geistigen Erwachens zu kennen, die zwingend zu den Reuegesängen gehören, sonst hat Reue keinen tieferen Sinn. In der Sprache der Pistis Sophia kann man dies wie folgt formulieren: Der Widersachergeist hat Siegel an die Seele geheftet, damit sie dumpf wird und von den Archonten verschlungen werden kann. Allein der kultisch verankerte Mensch, die Gnostiker nennen ihn Pneumatiker, lernt jene Magie kennen, mit der diese Siegel entstanden sind. Nur er kann etwas Brauchbares dazu beitragen, damit sie auch wieder zu lösen sind. Der Pneumatiker beginnt ein kultisches Leben, wodurch die Tore höheren Verstehens sich öffnen. Wer dies erlebt, darf Reuegesänge anstimmen wie Sophia. Die dreizehn Reuegesänge der Pistis Sophia gleichen einer Stufenleiter der Erkenntnis, wie man sie auf dem Einweihungsweg durchwandert.

Die Befleckung des gnostischen Lichtes

Da die Seele, wie tief sie auch gefallen sein mag, immer noch den Lichtfunken aus der Welt der lichten Aeonen in sich trägt, kann dieser wieder entzündet werden. Das Problem hierbei ist: Sobald dies ein wenig geschieht, drängt es die Seele umgehend, ihre Umgebung auf der Erde mit diesem Licht anzureichern, um damit ein Paradies auf Erden zu schaffen. Da dies aus gnostischer Sicht unmöglich ist, befleckt sie durch diesen Wunsch ihr göttliches Licht, lädt aus der Sicht der Himmelsregionen Schuld auf sich und stürzt beständig tiefer, ohne es zu realisieren. Allein die umgekehrte Absicht erhebt die Seele und führt zur Erlösung:

Das Licht der Gnostik soll aus der Sichtbarkeit herausgezogen und nicht hineingebracht werden.

Der Gnostik zufolge ist die irdische Welt nicht göttlich, sondern das Werk abtrünniger Demiurgen, nur ein schwacher Abglanz des Himmels, einzig dazu da, den unbewussten Menschen mit seiner eigenen Unvollkommenheit zu umgeben. Allein wenn die Seele in der Welt der Formen ihr Licht mit der Ewigkeit in Verbindung zu bringen versteht und nicht das Gotteslicht auf Erden vergeudet, kann es eine Rettung geben. Dieser Umstand wird in der Pistis Sophia folgendermaßen formuliert: Die Archonten, deren Führer Authades ist, wollen Sophia das Licht rauben, das sie in ihr sehen. Authades und sein riesiges Gefolge, unter ihnen auch Jaldabaoth, rauben den menschlichen Seelen das Licht, geben es jedoch nicht an den Himmel ab, sondern festigen damit ihr irdisches Lügenreich und die Höllenregionen.

In der Pistis Sophia gibt es darum viele Wesenheiten, die emsig daran arbeiten, die befleckte Lichtkraft der Seele wieder zu reinigen. Es wird versucht, die Lichter wieder so zu verstellen, dass die Seele sich nach den oberen Welten sehnt und nicht Gefahr läuft, ihr Licht unten zu verschwenden. Die beiden Vorsteher der Paralemptai (grch. Lichtreiniger) sind Melchisedek, der Hohepriester des Allmächtigen und der Engel Jeû, der aus dem ersten Baum des Lebens hervorgegangen ist und die Aufgabe hat, das geraubte Licht von den Archonten zurückzuholen. Diesen beiden untergeordnet sind noch zahlreiche Helfer. Zum Beispiel Jaô, der große Gute, von dem die Jünger Jesu geleitet werden, und Jaô, der kleine Gute, der Johannes dem Täufer die Kraft für das Werk der Ankündigung Jesu gab.

Als Sophia im dreizehnten Aeon angekommen ist, und Jesus sie aus den Zugriffen der Widersacher errettet hat, erkannte sie, dass das Licht, das in ihr ist und das ihr geraubt werden sollte, ihr nicht gehört, sondern dass es aus der Höhe stammt und gleichsam als Leihgabe in ihr wohnt. Und so ruft sie aus:

Sie haben sich gegen mich erhoben, während sie mich belogen und sagten, ich würde das Licht in der Höhe kennen, an das ich geglaubt habe. Und sie haben mich gezwungen und verlangten: Nenne uns das Mysterium des Lichtes, das in der Höhe ist. Doch dieses kenne ich nicht.

An dieser Stelle erfassen wir ganz deutlich: Die Seele der Weisheit wird als Sophia im Himmel gespeist, sie ist Behältnis und nicht Ursache. Es kennzeichnet die Beschränktheit der Widersacher, dass sie glauben, das Mysterium zu gewinnen, wenn sie dessen Gefäß in ihre Gewalt bringen. Zu allen Zeiten vergehen sich die Machtansprüche des Widergöttlichen an den Gefäßen. Hierin lag auch der Grund für die Kreuzigung Jesu. Er war für den Christusgeist ein würdiges Gefäß, entströmte ihm jedoch wieder bei seiner Auferstehung und nahm das gereinigte Licht, das auch in Jesu war, an sich.

Pistis Sophia, die geläuterte Weisheit, gelangt aufgrund ihrer Treue zum Durchbruch und schüttelt ihre Peiniger ab. Am Schluss ihres Weges, so hören wir es von dem Menschensohn, wird sie bekränzt und in das Pleroma erhoben.

Gabriele Quinque

 

Als die Pistis Sophia diese Worte

im Chaos gesprochen hatte,

ließ Ich die Lichtkraft,

die Ich ihr zur Rettung gesandt hatte,

zu einem Lichtkranz auf ihrem Haupt werden,

damit die Schöpfungen des Authades

sie fortan nicht mehr überwältigen könnten.

Und als diese zum Lichtkranz

auf ihrem Haupt geworden war,

wurden alle unheiligen Stoffe in ihr

in Bewegung gebracht

und alles in ihr wurde gereinigt.

(...) Und Maria, die Mutter Jesu, antwortete und sprach: Mein Herr, vergleichbar mit diesen Worten hat einst Deine Lichtkraft durch Salomo in dem 19. Psalm prophezeit und gesagt:

Der Herr ist auf meinem Haupt wie ein Kranz.

Nicht werde ich von Ihm weichen.

Der Kranz der Wahrheit ward mir geflochten

und er hat Deine Zweige mir aufsprießen lassen.

Denn er gleicht nicht einem dorrenden Kranz,

der nicht mehr aufsprießt,

sondern Du bist lebendig auf meinem Haupt

und Du bist auf mir entsprossen.

Deine Früchte sind reif und voll

und erfüllt von Deinem Heil.

 

Literatur:

Carl Schmidt: Pistis Sophia, ein gnostisches Originalwerk, Leipzig 1925

Christa M. Siegert (Hrsg.): Pistis Sophia, Bücher des Erlösers, DRP Rosenkreuz-Verlag 2005

Jan van Rijckenborgh: Die gnostischen Mysterien der Pistis Sophia, Rozekruis Pers, 1992

 

 

 

 

 

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