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Der Schleier der Leukothea


Gedicht

von

Franz Spunda (1890-1963)

 

Immer vermehrt um ein unsagbar Kleines,

Um etwas mehr, als wir sie lieben,

Geben die Götter uns unsere Liebe zurück.

Nicht dass sie im Füllhorn ihrer Gnaden

Nicht Besseres hätten, das ihnen besser geziemte,

Das uns größer machte und reicher.

Aber wir begriffen es niemals,

Was sie ganz aus ihrem Wesen heraus schenkten.

Um uns erspürbar zu sein, tun sie also,

Um uns mit ihrem Übermaß nicht zu erdrücken.

Denn sie wissen, was unser Maß zu ertragen vermag:

Nur uns selbst!

Und darüber einen Hauch,

Leicht wie flaumiges Abendgewölk

Oder wie Glanz auf den Flügeln des Falters.

Auf ein Unwägbares kommt es an,

Zumal wenn das Herz in Verlassenheit aufschreit

Und das Schiff in den Wogen zerschellt.

Schon sind verglast die Augen vereisend vom Tod,

Aus dem Schlund schon röchelt ein Wutschrei,

Doch mit der bannenden Kraft

Eines Gebets verzweifelnder Liebe,

Und aus dem Gischt, der dich tobend umbrüllt,

Löst sich ein Schleier, sturmweiß aufgleißend:

Leukothea Ino, überhold,

Phantom der taumelnden Wogen.

Was Todesnot aufbellte gegen den Himmel,

Hat sie verwoben zum rettenden Schleier,

Und die salzzerfressenen Wunden

Spürt Odysseus nicht mehr.

Was aus den Augen ihm fließt,

Sind Tränen des Heils und ein großes Erstaunen.

Dann wirft er die Gabe zurück hinter sich.

Denn was die Götter geschenkt,

Heischen sie wieder zurück,

Bereichert durch unseren Traum.

 Dann ist es ganz uns zu eigen.

 


 

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